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Hui, da ist ja jemand spät dran mit Mass Effect 3. Ja, ja ich muss gestehen, ich habe Mass Effect 3 erst vor einigen Wochen durchgespielt. Mit Mass Effect 3 habe ich mir Zeit genommen und ja, ich habe das ganze Dilemma rund um das Ende von ME3 mitbekommen. Millionen von Fans waren vom Ende entwederempört oder enttäuscht. Kein Wunder, denn Bioware hat großes Versprochen und letzten Endes war ich gespannt zu sehen ob das Ende wirklich so schlecht ist wie viele Fans sagen. Vor einigen Tagen hat Bioware sogar einen Extended Cut DLC veröffentlicht, welches das Ende erweitern soll. Nach gut 25 Stunden habe ich den Abspann selber gesehen und war... ach lest das Review.
Das Ende einer langen Odyssey
Eins möchte ich hier klarstellen: Ja, ich bin ein großer Mass Effect-Fan. Ich habe mit Shepard seit dem ersten Teil hunderte Planeten bereist. Bin von einem Kampf in den nächsten gezogen, habe neue Freunde kennengelernt und viele Freunde sterben sehen. Ich habe wichtige Entscheidungen getroffen und gehofft das es immer die richtige Wahl war. Ob es letzten Endes gut ausgefallen ist, war mir erst nach einigen Spielstunden klar. Ich habe allen möglichen Rassen geholfen, habe selber entschieden ob jemand durch meine Hand stirbt oder nicht. Ich war gefangen in einer Welt, abseits von 08/15-Fantasy Gedöns. Es gibt hier keine grünen Orks, keine mürrischen stolzen Zwerge oder leicht angeschwuchtelte Elfen. Mass Effect wirkte anno 2007 vom Setting her frisch, frisch aufgrund der Mythologie und des Looks. Sicher gibt es Parallelen zu Sci-Fi TV-Serien wie Star Trek, Babylon 5 und Co., doch ich war nie ein großer Fan von ihnen. Woran liegt das? Vielleicht deshalb, weil ich gerne selbst das Universum retten wollte und nicht was vorgesetzt bekommen möchte, also hinsichtlich der Story und dessen Verlauf. Vielleicht liegt es auch daran, dass die TV-Serien mir viel zu weichgespült und geleckt wirken. Ich war in Mass Effect ein Commander in einer coolen Rüstung und nicht in einem hautengen Neopren Schlafanzug. Ich musste verdammt noch mal das Universum retten und Sarens Machenschaften aufhalten, dennoch war ich nur ein Teil in einem ganz großen Konflikt. Ich hatte Freunde die auf meiner Seite waren, die mich bis zum Ende begleitet haben. Bioware hat es aus dem Stand geschafft ein Universum zu erschaffen welches so reichhaltig an Informationen ist, wie ich es im RPG-Genre noch nie gesehen habe. Deshalb war auch die Erwartungshaltung nach Mass Effect 2 ungemein hoch. Ich gehörte zu der Gruppe von Menschen die von Mass Effect 2 zunächst enttäuscht war. Den Fokus auf Action zu setzen ist mir sauer aufgestoßen. Aber im Nachhinein habe ich bemerkt, dass Bioware auch mit Mass Effect 2 einiges richtig gemacht hat. Dialoge, Charaktere, Story und die Konsequenzen waren auch hier Spitze und vermittelten schnell das typische Bioware-Feeling. So war auch schnell klar, dass Mass Effect 3 noch eine Schippe drauflegen wird.
Wiedersehen mit alten Bekannten
Nach zwei langen Jahren Wartezeit, konnte ich endlich das grande Finale sehen. Hat es mich enttäuscht? Nein, hat es nicht. Ich hatte bis zum Abspann immer das Gefühl ein Teil eines ganz großen zu sein. Natürlich war mir immer bewusst, dass das Finale auf der Erde spielen wird und natürlich muss man damit rechnen das zum Schluss (vielleicht) alles für die Katz ist. Ob man die Reaper jetzt besiegt, liegt allein beim Spieler. Hat man noch den Speicherstand aus ME1 und ME2 kann man ihn auch in ME3 übernehmen. Schön das Bioware darauf geachtet hat, wie man sich in den Vorgängern entschieden hat. So sind zumindestens die wichtigen Ereignisse und deren Konsequenzen in Mass Effect 3 berücksichtigt worden. Bioware hat sogar Shepard einen kleine Geschichte spendiert, die jetzt vermehrt im Vordergrund steht. Die Geschichte rund um Shepards albtraumhaften Visionen passt sehr gut in Mass Effect 3, da es die momentane Lage rund um die Reaper-Invasion noch mehr bekräftigt. Doch um ehrlich zu sein war mir die Hauptstory nur Sekundär wichtig. Viel wichtiger war da die Beziehungen zwischen meinen Mitstreitern. Genau da liegt auch die Stärke von Bioware, und zwar die hervorragend ausgearbeiteten Charaktere. Egal ob Garrus, Joker, Tali, Miranda oder die Neuankömmlinge EDI und James, sie alle haben ihre eigene Persönlichkeit. Es gibt außerdem immer einen Charakter im Mass Effect-Universum den man liebgewonnen hat oder nur nervig findet und genau das liebe ich an der Reihe. Gerade in Mass Effect 3 fühlt es sich an, als würde man sich mit guten alten Freunden treffen, die man z.B. seit ein paar Jahren nicht mehr gesehen hat. So gibt es neben einigen tragischen Geschichten unter den Charakteren auch sehr viele humorvolle Momente. Mass Effect 3 lässt sich auch hier wieder einmal Zeit um neue und alte Charaktere erneut einzuführen. Leider ist das auch ein Kritikpunkt, zwar macht es immernoch sehr viel Spass mit meinen Leuten zu reden, doch wenn gerade die Galaxy vor einer Reaper-Invasion steht und zahlreiche Planeten in Flammen stehen und ich dabei gemütlich in der Citadel meine Hüften schwingen lasse (das sieht immer noch sehr albern aus) oder Drinks mit meinen Kameraden zu mir nehme, zerstört es schnell die Glaubwürdigkeit der eigentlichen Bedrohung. Da hätte Bioware mehr Fingerspitzengefühl zeigen können und dem Spieler öfter zum weiterspielen drängen sollen. Die eigentliche Gefahr der Invasion und der Rettung der Menschheit bleibt zu oft auf der Strecke und das ist für ein Spiel wie Mass Effect 3 fast schon fatal.
Uncharted: Shepards Odyssey
Gut, es gibt einige Patzer hier und dort, aber als Gesamtpaket macht Bioware sowohl in der Inszienierung als auch der Dramatugie alles richtig. Es scheint als hätten sich die Jungs und Mädels von Bioware den ein oder anderen Titel von Naughty Dog angeschaut. Plötzlich explodiert etwas in der Nähe, man wird sprichwörtlich umgehauen und stürzt nahtlos einen Abhang hinunter, dabei behält man dennoch die Kontrolle über den Charakter. Man ist richtig in die Action involviert und genau das hat mich in den ersten Stunden wirklich überrascht. Bioware schafft es eine wirklich filmreife Action zu inszenieren ohne sich von den eigentlichen spielerischen Wurzeln zu distanzieren und das obwohl der Actionanteil nach oben geschraubt wurde, was mich schon beim Vorgänger gestört hat, mich bei Mass Effect 3 nicht gestört. Zum einen habe ich mehr Optionen bekommen meinen Charakter zu entwickeln und zum anderen konnte ich mein Equipment wieder verbessern. Eines der Dinge die ich im Vorgänger noch meisten vermisst habe. Immerhin wurde die Levelgrenze von 30 auf 60 angehoben und auch die Anpassung der Rüstungen und Waffen sind deutlich individueller einstellbar. Schade, dass man die zahlreichen kleinen Minispiele vom Bord warf, die beim Hacking zum Vorschein traten. Jetzt verläuft der Prozess immer automatisch ab. Auch der Einsatz vom Mako ist nirgends zu finden, auch wenn die meisten Leute es für reine Zeitverschwendung empfunden haben mit dem Mako über die Planeten zu fahren. Ich für meinen Teil hatte Spass mit dem kleinen Vehikel. Etwas unschön sind die Mini Dialog-Missionen, die innerhalb von Gebäuden stattfinden. Hier ein kleines Beispiel: Konnte man noch in ME1 und ME2 zahlreiche Leute ansprechen und die Charaktere in Nahaufnahme ansprechen, so gibt es jetzt vermehrt Missionen ohne diese Dialog-Option. Sprich, man rennt von einem Charakter zum anderen, nimmt auf Knopfdruck eine kleine Mission an und rennt zu der Zielperson. Der Charakter redet 1-2 Sätze und das war´s. Keine besonderen Kameraeinstellungen oder ähnliches. Das wirkt nicht nur sehr versimpelt, sondern fast schon billig. Wieso Bioware das gemacht hat, ist mir ein Rätsel. Gut das es nur die kleinen Nebenmissionen betrifft. Erfreulicherweise fällt die neue Galaxy Karte besser aus. Statt wie beim Vorgänger ständig jeden einzelnen Planeten abzuklappern, Rohstoffe zu sammeln und sich dabei zu beschweren wie langweilig die Prozedur ist gibt es nun eine, wie ich finde, angenehmere Variante. Man fliegt jetzt frei von einer Galaxy zum anderen und nutzt nur noch den Scanner um Nebenmissionen oder Objekte zu orten, sobald etwas im Radius des Scanners ist, wird einem schnell eingeblendet das sich etwas auf dem Planeten oder in der unmittelbaren Umgebung befindet. Die Prozedur geht schnell von der Hand und geht auch nicht mehr so schnell auf den Keks wie noch in Mass Effect 2, wo man ständig auf dem Planeten schalten und ihn dann gründlich Scannen musste, eh man etwas gefunden hat. Hin und wieder befinden sich auch kleine Nebenmission auf den Planeten, die in unterschiedlichen Umgebungen stattfinden. Die Zeiten von Levels im Baukastenprinzip sind somit endgültig vorbei. Doch man sollte nicht zu oft die Scantaste drücken, denn nach einiger Zeit kann auf der Karte ein Reaperschiff auftauchen, dass dem Scansignal gefolgt ist. Falls dies geschieht, sollte man schnell aus der Karte verschwinden, wird man vom Reaperschiff erwischt, heißt es Game Over. Zudem sollte man immer ein Auge auf den Treibstoff des Schiffes werfen, denn Treibstoffdepots sind nicht in jeder Galaxy anzutreffen.
Gears of Effect 3
Neben den zahlreichen kleinen Verbesserungen an der Oberfläche, hat man auch die Gameplayprobleme zu Herzen genommen was bedeutet das die Shootermechanik aus Mass Effect 2 erweitert wurde. So spielt sich Mass Effect 3 fast schon wie Gears of War 3. Man kann mit einem Druck auf die X/A Taste eine Rolle nach vorne machen, kann von einer Deckung zur nächsten sprinten und seine Biotik Kräfte geschickt nutzen. Ebenso neu ist das Nutzen von Nahkampfwaffen. Hat man zu Beginn einen Nahkämpfer als Klasse übernommen kann man mit der mächtigen Omni Blade die Gegner ausschalten. Ist man als Biotiker unterwegs, nutzt man mächtige Energiestösse. Die Angriffe sind zwar schön animiert aber viel zu Overpowered, selbst Gegner mit Schilden werden zurückgeworfen. Mit Mass Effect 3 wollten die Entwickler die Kämpfe größer, beeindruckender und auch gleichzeitig belangloser machen. Das primäre Problem besteht darin das die eigentliche KI auf Moorhuhn-Niveau ist. Zwar gibt es neben den normalen 08/15-Soldaten, auch Gegner mit Schilden (ein Novum in der Serie) oder Gegner die Geschütze aufbauen. Doch geschickte Manöver sieht man nur sehr selten. In 99% der Fälle kommt man mit der einfachsten Taktik an die Gegner vorbei. Aus der Deckung schießen und wieder in die Deckung, kurz warten und dann wieder schießen. Da auch das eingeführte Selbstheilungssystem hier eingebaut wurde und deine Wunden wie von Zauberhand geheilt werden sobald der Bildschirm sich rot färbt, ist es selbstverständlich das der Schwierigkeitsgrad abgenommen hat. Wirklich Schade nur, dass die Entwickler es nicht geschafft haben eine anständige KI auf dem Bildschirm zu zaubern, somit wären die Auseinandersetzungen mit den Mensch- und Alienrassen deutlich anspruchsvoller ausgefallen, so jedoch verkommen die Shooterabschnitte zu einer reinen Dauerballerei ohne Tiefgang. Immerhin sehen die Biotikfähigkeiten gut aus und lockern somit das Ganze etwas auf.
Optikbombe und Soundgranate?
Wenn man sich noch an die Erstveröffentlichung auf der Xbox 360 von Mass Effect anschaut, dann fallen mir zwei Dinge ein: Zuerst das Texturen nachladen und dann noch die zum Teil starke Performenceeinbrüche. Bioware hat die Engine bei Mass Effect 2 dagegen ordentlich aufgemöbelt und das Resultat konnte sich sehen lassen. Keine Spur von faden Texturen, Nachladeproblemen oder Rucklern. Bei Mass Effect 3 hat man nochmals die Schrauben angezogen. Detaillierte Charaktere, gute Animationen, klasse Effekte und wunderbar stimmige Umgebungen zaubert die Engine auf den Schirm. Leider kommt es in einigen Teilen der Citadel zu sporadischen Rucklern, was aber nicht so störend ausfällt. Auf der Xbox wenig bis kaum, auf der Playstation umso häufiger. Einzig die PC Fraktion kann sich komplett glücklich schätzen, denn nur da bekommt man das optisch beste Paket. Schön ist auch die Farbgebung, die deutlich düsterer ausfällt als noch in Mass Effect 2 und somit die aussichtlose Situation gut einfängt. Weniger schön sind dagegen die Animationen in den zahlreichen Shooterabschnitten, die Animationen wirken sehr abgehackt und unsauber. Von einem Uncharted, Gears oder Max Payne 3 ist Mass Effect 3 noch weit entfernt. Ein Pluspunkt bekommt die Soundkulisse, die mit einem wunderbar stimmigen Soundtrack aufwartet. Hat man einen potenten Subwoofer parat bekommt man einen wahrlich gigantischen Sound serviert, der einen umhaut. Gerade der Auftakt ist ein echtes Feuerwerk für die Sinne und lässt die Surround Anlage ordentlich schwitzen. Die deutsche Sprachausgabe ist gut umgesetzt, einzig Shepards Stimme fällt etwas aus dem Rahmen. Wieso man nicht die Originalstimme aus dem ersten Mass Effect-Spiel genommen hat ist mir schleierhaft. Möchte man dennoch den englischen Sprechern lauschen, kann man sich die Audiospur kostenlos über Xbox Live runtderladen. Die Playstaion 3-Version hat die englische Spur schon auf der Disk. Die echte Neuerung in der Mass Effect-Reihe liegt im Multiplayer Modus. Ja, auch Mass Effect 3 hat es getroffen. Zu Beginn sucht man sich eine Charakterklasse aus und muss in einer Vierer-Gruppe kleine Missionen erfüllen. Nach jeder bewältigten Mission kann man seinen Charakter aufwerten und sich erneut in den Kampf stürzen. Im Großen und Ganzen spielt es sich flott und macht für einen kurzen Zzeitraum Spaß. Als kleines Extra ist es nett mehr auch nicht, denn dafür sind die Kämpfe zu anspruchslos.
Arthur´s Fazit:
Es ist noch nicht alles Perfekt in Mass Effect 3. Ich habe meine Probleme mit einigen Designentscheidungen, aber als der Abspann über den Bildschirm flimmerte war ich glücklich. Nicht weil das Spiel mich gelangweilt hatte, sondern weil mich Bioware in einer Sache absolut überzeugt hat: Eine epische Geschichte in einem Sci-Fi Setting zu inszienieren und mir dabei einzigartige Charaktere vorzusetzen. Der Kampf gegen die Reaper hätte fast nicht besser inszeniert werden können. Über die Jahre wurden Charaktere aufgebaut und Konflikte gelöst, Kameraden sind gestorben und mächtige Gegner besiegt. Das Finale hat mich nicht enttäuscht und wurde stimmungsvoll und bombastisch inszeniert. Der Soundtrack ist klasse und das Wiedereinführen der Rollenspielelementen ist genau das was ich mir gewünscht habe. Da kann man auch über die kleinen Patzer hinwegsehen, wie die KI, die kleinen Ruckler oder die recht simplen Nebenaufgaben. Letzten Endes war ich bis zum Schluss begeistert. Mass Effect 3 war für mich eines der Highlights in diesem Jahr.
Mass Effect 3 ist für Xbox 360, PS3, Wii U und PC erschienen.