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Kaum ist das Jahr vorbei, schon steht ein weiterer Ableger der beliebten Call of Duty-Serie vor der Tür.
Modern Warfare 3 knüpft an den Vorgänger an und präsentiert eine Bombast Kampagne wie sie nur in Hollywood Blockbuster Filmchen zu sehen sind. Ist Call of Duty Modern Warfare 3 immernoch der krasse Shit im Shooter-Genre oder eher eine Schlaftablette?
Dritter Weltkrieg, Lizenz-Ausschlachtung & Co.
Man fragt sich doch jedesmal, wie Activison es schafft dieses Franchise am Leben zu erhalten. Es gibt weder Neuerungen beim Gameplay, noch großartige Überraschungen beim Leveldesign. Selbst der Multiplayer Modus wurde im Vergleich zum Vorgänger nur leicht verändert. Das einzige was sich ändert ist das Setting. Erst zweiter Weltkrieg, dann die Moderne, der Vietnam Krieg und jetzt wieder die Moderne. Eigentlich müsste die Serie kurz vor dem Aus stehen. Doch wieso schaffen es die Jungs von Infinity Ward Millionen Spiele zu verkaufen und das Jahr für Jahr.
An der Story kann es nicht liegen, welche zwar einige Besserungen aufweist, aber immer noch zu patriotisch und zu aufgeblasen erzählt wird. Die Geschichte knüpft direkt an den Geschehnissen von Modern Warfare 2 an. Mac Tavish und Captain Price sind auf der Suche nach Vladimir Makarov, ein russischer Terrorist der für den Anschlag eines Moskauer Flughafen verantwortlich war. Am Anschlag war ein amerikanischer Agent beteiligt, der in die Terrorgruppe eingeschleust wurde. Makarov nutzte die Gelegenheit und schob alles hinterher dem eingeschleusten amerikanischen Agenten in die Schuhe. Russland beschuldigt Amerika für den Terrorakt und schon steht der dritte Weltkrieg vor der Tür. Die russische Armee fällt über Amerika her, wie Ameisen über lecker Pfannkuchen. Auch wenn ein roter Pfaden existiert und auch einige neue Charaktere auftreten, ist die Story schon sehr bei den Haaren herbeigezogen. Wie nicht anders zu erwarten wird man auch in Modern Warfare 3 seine Kameraden sterben sehen, aus Freunde werden Feinde und aus Feinde werden Freunde. Nach gefühlten 1 Million Funksprüchen, massig Explosionen und der ein oder anderen Storywendung, ist es vorbei und das alles nach gut 6 Stunden. Was aber in 6 Stunden abgefeuert wird, schaffen heutige Spiele nicht mal nach 20 Stunden. Das kann gut und schlecht zugleich sein. Die Kampagne ist zwar kurz, hat aber auch ihre Längen. So gibt es auch die ein oder andere Mission die etwas langweilig ausgefallen ist. Die spannendsten Missionen sind die zahlreichen Stealth- oder die Fluchtmissionen. Gerade zum Finale hin, werden die ein oder anderen Shootout´s überstrapaziert, dafür zieht der Spannungsbogen ordentlich an.
Die Probleme an den meisten Shootern der Marke Call of Duty, Battlefield & Co. liegen meist bei denn belanglosen und sehr austauschbaren Charakteren. Bis auf Captain Price, gibt es kein Charakter in der Serie, der wirklich heraussticht. Ist das so schwer einem Soldaten eine Persönlichkeit zu geben? Selbst der Protagonist aus Half-Life hat mehr Charakter, als der Großteil der Call of Duty-Riege. Dabei versuchen es die Entwickler immer wieder, doch für meinen Geschmack haben sie es nicht geschafft den Charakteren leben einzuhauchen. Zu viele Dialoge sind einfach zu plump und beschränken sich zum größten Teil auf Funksprüche oder militärische Ausdrücke.
100% Action 100% Abwechslung?
Sicher, die Story von Call of Duty ist weder herausragend geschrieben, noch inhaltlich überragend erzählt deswegen machen wir uns nichts vor: Call of Duty ist nun mal Call of Duty. Ob Teil 5 oder Teil 10, nichts hat sich an der Formel geändert. Das ist deshalb enttäuschend, weil die Action-Szenen doch sehr spektakulär sind und einem immer wieder ein Grinsen entlocken. Egal ob stylische Zeitlupenballereien oder Nervenaufreibende Verfolgungsjagden. Alles wirkt wie ein hochklasse Waffen-Porno. Es rummst, es scheppert und es fliegt alles in die Luft, dass ist Call of Duty wie man es kennt. Fast jede Actionszene sieht hervorragend geskriptet aus. Man fühlt sich wie in einem neuen Michael Bay-Film. Der Schwierigkeitsgrad ist auch hier Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite sind die Gegner immernoch dumm wie Brot und rennen euch nur zu gerne vor die Flinte, doch auf der anderen Seite sind die Gegner vor allem auf einem höheren Schwierigkeitsgrad treffsicherer als John Rambo in seinen jungen Jahren. Die Checkpoints sind auch in Modern Warfare 3 gut verteilt, wirkliche Frustmomente entstehen nie. Der Ablauf unterscheidet sich dabei angenehm abwechslungsreich. Zwar geht dem Spiel zum Ende hin die Luft aus, doch bis dahin wird man immer wieder überrascht. Infinity Ward versucht die Dauerballerei mit einigen netten Ideen zu schmöckern. Mal müsst ihr Sendetürme sabotieren, Sprengstoff an U-Booten anbringen oder Gebäude verteidigen. Hin und wieder könnt ihr euch hinter ein Geschütz klemmen oder einen kleinen Panzer steuern. Die beliebten Stealthmissionen sind ebenfalls mit von der Partie. Alles nichts neues, aber auch nichts schlechtes. Für die rund 6 Stunden Spielzeit reicht es. Aber etwas mehr Originalität hätte ich mir schon gewünscht. Wieso kann ich keines der gegebenen Fahrzeuge steuern? Wieso gibt es keine Escort-Missionen? Warum sind die Levels immer noch so linear gestaltet? Fragen über Fragen.
Technische Höhenflüge und bombastische Kulissen
Okay, die Action funktioniert auch nur deshalb so gut, weil auch die Technik überzeugt. Egal ob die Kulisse, die Partikeleffekte oder der flüssige Spielablauf... alles sieht verdammt gut aus. Ob Xbox 360, PS3 oder PC. Das Spiel läuft jederzeit butterweich. Dabei muss sich das Spiel nicht vor Battlefield 3 verstecken. Zwar hat letzteres feinere Lichteffekte und bessere Texturen, doch Call of Duty Modern Warfare 3 überzeugt durch famose, Licht- und Schattenspielereien, einer unglaublichen Anzahl an geskripteten Szenen und gut modellierten Levels. Wirklich besser kann Call of Duty nicht werden. Schade nur das die Levels auch hier wieder sehr klein ausgefallen sind, denn sie bieten im Vergleich zu Battlefield 3 weniger taktische Möglichkeiten. Soundtechnisch ist Modern Warfare 3 ein Genuss. Egal ob Explosionen, Schüsse oder der pompöse Soundtrack, eure Surround Anlage wird es euch danken. Der orchestrale Soundtrack ist auch hier gelungen, doch Modern Warfare 2 konnte mich in diesen Punkte mehr überzeugen. War noch in Modern Warfare 2 Hans Zimmer für dem Soundtrack zuständig, ist es dieses mal Brian Tyler. Dafür ist die englische Sprachausgabe wieder sehr gelungen und unterstreicht das Mittendringefühl umso mehr. Die deutsche Tonspur kommt da leider nicht ganz mit, ist aber auch nicht wirklich negativ aufgefallen.
Online oder Offline?
Der wirkliche Grund warum man sich Modern Warfare 3 kauft ist der gelungene Multiplayer Modus. Modern Warfare 3 beinhaltet 17 Multiplayer Maps, über 140 Waffen, eine große Anzahl an Modi und jede Menge Perks. Call of Duty Fans werden in Freundentränen ausbrechen. Wirkliche Neuerungen sucht man fast schon vergebens. Neben einer handvoll neuer Modis und Perks wird man die meiste Zeit damit verbringen seine Waffen zu modifizieren und seinen Rang Massentauglich zu machen. Hat man erstmal 18 Spieler auf der Map werden die Gefechte spannend und gleichzeitig zur Geduldsprobe. Wenn man nicht ständig auf der Hut ist, wird man sehr schnell ins Gras beißen. Das ist einfach der Unterschied zu Battlefield 3. Die Kämpfe sind kompakter und übersichtlicher und für ein schnelles Match ist man bei Call of Duty immer zu haben. Möchte man stattdessen auf einen fahrbaren Untersatz zurückgreifen und sich bei weitläufigen Maps austoben sollte man sich den Kauf gut überlegen. Modern Warfare 3 hat dafür jedoch einen entscheidenden Vorteil. Man kann sowohl Online als auch Offline spielen, selbst ein LAN-Modus ist mit dabei. Hat man eine Konsole und 4 Freunde am Start, könnt ihr euch auch im Splitscreen bekriegen. Ebenso gelungen ist der Spec-Ops und der Survival Modus. Beim ersteren muss man bestimmte Ziele innerhalb einer vorgegebenen Zeit lösen. Die Missionen beruhen auf der Singleplayer Kampagne, hin und wieder schlüpft man auch in die Haut des Terroristen. Der Survival Modus ist zwar nicht gerade neu, macht aber auch in der x-ten Auflage Spass. Das Spielprinzip ist jedoch simpel gehalten, so muss der Spieler immer mehr Gegnerwellen überstehen ohne zu sterben.
Arthur´s Fazit:
Modern Warfare 3 ist nicht das beste Spiel des Jahres. Dafür hat es einfach zu wenig eigene Ideen. Auch weist es einige eklatante Schwächen bei der Story und bei der Spielzeit auf. Auf der anderen Seite hat man schon alles irgendwo gesehen und gespielt. Nach zehn Teilen ist einfach die Luft raus. Die Kampagne ist zu kurz, das Spielprinzip zu simpel und die Levelabschnitte zu linear. Sicherlich können die geskripteten Events, die Technik und die wuchtige Sounduntermalung nach wie vor überzeugen, doch das alles reicht nicht mehr aus um die 60 Euro zu rechtfertigen. Call of Duty-Fans werden das Spiel schon in den Händen halten, allen anderen würde ich raten, den Vorgänger zu kaufen. Der ist günstiger und bietet im Vergleich zu Modern Warfare 3 genau das selbe Erlebnis, nur in einem anderen Setting. Infinity Ward muss sich für den nächsten Teil richtig ins Zeug legen. Die Serie braucht dringend neue Ideen und ein neues unverbrauchtes Setting.
Call of Duty Modern Warfare 3 ist für Xbox 360, PS3 & PC erschienen.